In Ägypten gehört Schwarzkümmel seit Generationen zum Alltag. In Deutschland wird das Öl zunehmend als Nahrungsergänzungsmittel entdeckt. Doch was macht es besonders, woran erkennt man gute Qualität und was ist von den gesundheitlichen Versprechen zu halten? Im WRYDR-Podcast „Zweite Luft“ sprechen wir mit Yehia Shamandi von Nedura über seine Heimat, die Arbeit auf ägyptischen Feldern und ein Produkt, das ihn schon sein ganzes Leben begleitet.
In der Küche von Yehia Shamandis Familie standen früher drei Mühlen. Eine für Salz, eine für Pfeffer und eine für Schwarzkümmel. Während das schwarze Gewürz in Deutschland lange eher ein Schattendasein führte, war es für ihn schon als Kind eine Selbstverständlichkeit.
Shamandi wurde in Deutschland geboren, wuchs aber in Ägypten auf. Dort ist Schwarzkümmel weit mehr als eine Zutat. Die kleinen schwarzen Samen und das daraus gewonnene Öl haben einen festen Platz in der traditionellen Ernährung. Auch bei kleineren Beschwerden greifen viele Familien darauf zurück.
Wenn sich im Winter eine Erkältung ankündigte, gab es bei Shamandi zu Hause häufig Schwarzkümmelöl. Ein Löffel am Morgen, manchmal etwas Honig dazu. Eine Gewohnheit, die ihn bis heute begleitet.

Mittlerweile ist aus dieser persönlichen Verbindung ein Beruf geworden. Shamandi arbeitet als Einkäufer für das Unternehmen Nedura und reist regelmäßig nach Ägypten, um Schwarzkümmel direkt bei den Landwirten einzukaufen. Seine Geschichte erzählt viel über die Herkunft eines Produkts, das auch in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Und sie zeigt, wie viel Arbeit zwischen einem kleinen schwarzen Samen und einer fertigen Flasche Öl steckt.
Angefangen hat alles mit ein paar Flaschen im Koffer
Wenn Shamandi früher aus Ägypten nach Deutschland zurückkehrte, hatte er fast immer Schwarzkümmelöl im Gepäck. Zunächst nur für sich selbst. Später auch für Freunde, Bekannte und deren Familien. Die Nachfrage wuchs. Wer einmal eine Flasche bekommen hatte, fragte beim nächsten Besuch häufig nach Nachschub.
Dass daraus irgendwann ein Beruf werden würde, war nicht geplant. Den Kontakt zu Nedura knüpfte Shamandi beim Sport. Dort lernte er einen der Mitgründer kennen. Als dieser von der Idee erzählte, Schwarzkümmelöl anzubieten, entwickelte sich ein längeres Gespräch über Anbaugebiete, Qualität und Geschmack.
Shamandi konnte dabei auf Erfahrungen zurückgreifen, die weit über das hinausgingen, was er aus deutschen Supermärkten kannte. Heute ist er regelmäßig zwischen Hannover, Hamburg, Stendal und Ägypten unterwegs. Allein 2025 reiste er nach eigenen Angaben rund siebenmal nach Ägypten.

Die Qualität beginnt lange vor der Ernte
Wer im Geschäft eine Flasche Schwarzkümmelöl kauft, beschäftigt sich vermutlich selten mit der Frage, auf welchem Boden die Pflanze gewachsen ist. Für Shamandi beginnt genau dort seine Arbeit.
Ende Oktober oder Anfang November reist er nach Ägypten, wenn die neue Anbauperiode vorbereitet wird. Gemeinsam mit den Landwirten bespricht er die Beschaffenheit der Böden, die Bewässerung und die Größe der Anbauflächen. Dabei werden Bodenproben genommen und untersucht. Erst danach folgen die konkreten Vereinbarungen über den Anbau.
Wasser ist dabei ein entscheidender Faktor. In Ägypten spielt insbesondere die Bewässerung mit Wasser aus dem Nil eine wichtige Rolle. Auch während der weiteren Verarbeitung setzt Nedura nach eigenen Angaben auf regelmäßige Kontrollen. Die Saat wird nach der Ernte untersucht, vor dem Transport geprüft und nach der Ankunft in Deutschland erneut analysiert.
Von Hamburg geht es weiter nach Stendal. Dort wird der Schwarzkümmel gelagert, kalt gepresst und schließlich als Öl abgefüllt oder zu Kapseln verarbeitet. Shamandi beschreibt diesen Prozess mit großer Begeisterung. Ihm geht es darum, die Herkunft und Verarbeitung möglichst genau nachvollziehen zu können. Denn bei einem Naturprodukt ist Qualität nicht allein eine Frage des Geschmacks.
Ägypten, Syrien und Äthiopien: Schwarzkümmel ist nicht gleich Schwarzkümmel
Nedura bezieht seinen Schwarzkümmel nach eigenen Angaben aus drei Ländern. Das konventionelle Öl stammt aus Syrien, das Bio-Schwarzkümmelöl aus Ägypten und eine besonders wirkstoffreiche Variante aus Äthiopien.
Die verschiedenen Herkünfte unterscheiden sich unter anderem in der Zusammensetzung der enthaltenen Pflanzenstoffe. Besonders häufig fällt dabei ein Begriff: Thymochinon. Der natürliche Inhaltsstoff gehört zu den charakteristischen Bestandteilen des Schwarzkümmelöls und wird seit Jahren wissenschaftlich untersucht. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem mögliche antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften.
Shamandi erklärt, dass die von Nedura verwendete äthiopische Saat den höchsten Thymochinon-Gehalt aufweise, gefolgt von der ägyptischen und syrischen Herkunft. Ein hoher Gehalt bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Öl gesundheitlich wirksamer ist. Entscheidend ist, welche Effekte tatsächlich beim Menschen nachgewiesen werden können. Und genau hier lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.
Was kann Schwarzkümmelöl wirklich?
Schwarzkümmelöl wird traditionell für zahlreiche Beschwerden verwendet. In sozialen Medien und auf den Websites verschiedener Anbieter ist von positiven Auswirkungen auf das Immunsystem, den Blutdruck, die Haut oder das allgemeine Wohlbefinden die Rede. Auch Shamandi berichtet von persönlichen Erfahrungen.
Er nimmt seit mehreren Jahren regelmäßig Schwarzkümmelöl ein. Morgens gehört für ihn ein Löffel Öl, kombiniert mit Honig und Wasser, zur festen Routine. Er beschreibt, dass er sich dadurch aktiver und insgesamt wohler fühlt. Auch Veränderungen an Haut, Haaren und Fingernägeln nimmt er wahr. Ähnliche Rückmeldungen bekommt er nach eigener Aussage von Menschen aus seinem Umfeld.
Solche Erfahrungen sind interessant, lassen aber keine sicheren Rückschlüsse auf die tatsächliche Wirkung zu. Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich durchaus mit Schwarzkümmel und seinen Inhaltsstoffen. Es gibt kleinere klinische Untersuchungen, die unter anderem mögliche Effekte auf bestimmte Stoffwechselwerte und den Blutdruck nahelegen. Daneben existieren zahlreiche Labor- und Tierstudien.
Für viele der beworbenen gesundheitlichen Vorteile fehlen allerdings noch ausreichend große und methodisch überzeugende Untersuchungen am Menschen. Schwarzkümmelöl ist deshalb weder ein nachgewiesenes Heilmittel noch ein Ersatz für medizinische Behandlungen. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder gesundheitliche Beschwerden hat, sollte eine ergänzende Einnahme ärztlich abklären.
Und was bringt Schwarzkümmelöl beim Sport?
Gerade für sportlich aktive Menschen klingt die Beschäftigung mit Schwarzkümmelöl zunächst interessant. Entzündungsprozesse, Regeneration, Stoffwechsel und allgemeine Belastbarkeit sind schließlich Themen, mit denen sich Läufer, Radfahrer und Kraftsportler regelmäßig beschäftigen.
Shamandi erzählt im Podcast, dass Nedura auch Rückmeldungen von Leistungssportlern erhält, die sich durch die regelmäßige Einnahme besser fühlen. Dabei betont er, dass Schwarzkümmelöl kein klassischer Trainingsbooster sei. Es gehe nicht um einen kurzfristigen Energieschub, sondern um die langfristige Integration in den Alltag.
Ob Schwarzkümmelöl tatsächlich die sportliche Leistungsfähigkeit verbessert oder die Regeneration beschleunigt, ist wissenschaftlich jedoch nicht ausreichend belegt. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ein Pflanzenstoff kann unter Laborbedingungen interessante Eigenschaften zeigen, ohne dass daraus automatisch ein messbarer Vorteil beim Training entsteht. Wer seine sportliche Leistung verbessern möchte, findet in einem vernünftigen Trainingsplan, ausreichendem Schlaf, einer ausgewogenen Ernährung und gezielter Regeneration weiterhin die deutlich besser belegten Stellschrauben.
Schwarzkümmelöl kann Bestandteil der Ernährung sein. Ein unverzichtbares Supplement für Sportler ist es nach aktuellem Kenntnisstand nicht.
Warum gutes Schwarzkümmelöl nicht unbedingt teuer sein muss
Wer Schwarzkümmelöl kaufen möchte, findet mittlerweile zahlreiche Produkte. Gefiltert oder ungefiltert, in Bio-Qualität, als Flüssigkeit oder in Kapseln. Doch worauf sollte man achten?
Shamandi nennt vor allem die Transparenz des Herstellers. Verbraucher sollten nachvollziehen können, woher die Saat stammt, wie sie verarbeitet wurde und welche Kontrollen stattgefunden haben. Nedura stellt nach eigenen Angaben entsprechende Analyseergebnisse über einen QR-Code auf seinen Verpackungen zur Verfügung. Auch die Art der Verarbeitung spielt eine Rolle.
Ungefiltertes Schwarzkümmelöl ist häufig dunkler, enthält Trübstoffe und hat einen intensiveren Geschmack. Gefiltertes Öl ist dagegen meist etwas heller und milder. Beide Varianten können qualitativ hochwertig sein. Die Farbe allein ist kein verlässlicher Beleg für Reinheit oder gesundheitlichen Nutzen.
Wer den kräftigen, leicht scharfen Geschmack nicht mag, kann alternativ zu Kapseln greifen. Dabei lohnt sich ein Blick auf die tatsächlich enthaltene Ölmenge und die Zusammensetzung.
Ein hoher Preis ist übrigens kein automatisches Qualitätsmerkmal. Entscheidend sind nachvollziehbare Herkunft, Verarbeitung und geeignete Qualitätsprüfungen.
Ein Einkäufer, der plötzlich vor der Kamera steht
Neben seiner Arbeit auf den Feldern übernimmt Shamandi mittlerweile eine weitere Rolle. Er nimmt die Menschen über soziale Medien mit auf seine Reisen. Auf Instagram zeigt er Einblicke in den Anbau, dokumentiert Besuche bei Landwirten und erklärt, worauf es beim Einkauf von Schwarzkümmel ankommt. Das war nicht immer selbstverständlich.
Shamandi beschreibt sich selbst als eher zurückhaltenden Menschen, der früher wenig Interesse daran hatte, vor einer Kamera zu stehen. Inzwischen gehört die Dokumentation seiner Arbeit dazu. Nicht zuletzt, weil er selbst nachvollziehen kann, warum Verbraucher mehr über die Herkunft ihrer Produkte erfahren möchten.
Damit entwickelt er sich zunehmend zu einem Gesicht der Marke Nedura. Eine Rolle, die er ursprünglich gar nicht angestrebt hatte. Sein eigentliches Interesse gilt weiterhin dem Produkt. Den Landwirten, den Anbaugebieten und der Frage, wie sich die Qualität möglichst konstant halten lässt.
Auch weitere Produkte aus Ägypten könnten irgendwann interessant werden. Konkrete Pläne nennt er nicht. Neue Rohstoffe müssten zunächst über längere Zeit untersucht und auf ihre Eignung geprüft werden.
Gesundheit passt nicht in eine Flasche
Am Ende unseres Gesprächs kommt Shamandi noch einmal auf das zurück, was ihm persönlich besonders wichtig ist. Nicht auf die Herkunft, den Geschmack oder die Inhaltsstoffe des Schwarzkümmelöls. Sondern auf den eigenen Umgang mit Gesundheit.
Er spricht über Bewegung, Schlaf und Ernährung. Darüber, dass es nicht immer ein intensives Training sein muss und dass auch regelmäßige Spaziergänge einen Unterschied machen können.
Seine Botschaft ist bemerkenswert bodenständig für jemanden, der beruflich Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Denn auch Shamandi sagt, dass solche Produkte keine Wundermittel sind. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus unserem Gespräch.
Schwarzkümmelöl ist ein traditionelles Lebensmittel mit einer interessanten Geschichte und Inhaltsstoffen, die wissenschaftlich weiter untersucht werden. Für manche Menschen gehört es seit Jahren selbstverständlich zum Alltag. Andere entdecken es gerade erst.
Ob die regelmäßige Einnahme tatsächlich spürbare gesundheitliche Vorteile bringt, ist längst nicht für alle behaupteten Wirkungen geklärt.
Was aber feststeht: Hinter einer kleinen Flasche Schwarzkümmelöl steckt deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Für Yehia Shamandi beginnt diese Geschichte auf den Feldern Ägyptens. Dort, wo Schwarzkümmel für ihn schon immer zum Leben gehört hat.
Jetzt im Podcast: Zweite Luft mit Yehia Shamandi
Wie findet man die richtigen Landwirte in Ägypten? Was unterscheidet hochwertiges Schwarzkümmelöl von günstigen Produkten? Welche Rolle spielt Thymochinon und warum schwört Yehia Shamandi seit Jahren auf seine morgendliche Routine?
In der neuen Folge von „Zweite Luft – der Podcast über Sportkultur“ sprechen wir mit Yehia Shamandi von Nedura über die Herkunft des Schwarzkümmels, seine persönlichen Erfahrungen und die Frage, welchen Platz natürliche Nahrungsergänzungsmittel in einem gesunden Alltag haben können.
Ein Gespräch über Tradition, Qualität und einen Mann, der seine Begeisterung für Schwarzkümmel zum Beruf gemacht hat.
Jetzt die neue Folge von „Zweite Luft“ hören.