Am Spielfeldrand wird angefeuert, verglichen und von der Profikarriere geträumt. Zwei Hamburger Fußballväter erzählen, wie schnell Unterstützung in Druck umschlagen kann. Mit ihrem geplanten Podcast „Schrittmacher“ wollen Jo Dodoo und Sascha Ngari darüber sprechen. Auch über die eigenen Fehler.

Sascha hat seinem sechsjährigen Sohn im Auto erklärt, warum er nicht in die Tiefe gelaufen ist. Warum er den Doppelpass nicht gespielt hat. Das Spiel war vorbei, die Analyse des Vaters begann. Heute erzählt er davon ohne Ausflüchte. „Das war ich auch. Und das gehört auch zur Wahrheit.“

Inzwischen lässt er die Nachbesprechung auf der Heimfahrt lieber bleiben. Er hört zu, spricht über andere Dinge oder macht das Radio an. Wenn sein Sohn über das Spiel reden möchte, ist er da. „Heute bin ich in erster Linie Vater“, sagt Sascha.

In dieser Veränderung steckt der Kern eines Gesprächs, das Jo Dodoo und Sascha Ngari mit Felix Herkenrath im Sportkultur-Podcast „Zweite Luft“ geführt haben. Es geht um Kinder- und Jugendfußball, um den Ehrgeiz der Erwachsenen und um die Frage, wie Eltern ihre Kinder begleiten können, ohne ihnen ständig die nächste Bewertung mitzugeben.

Wenn die Scouts kommen

Die beiden haben sich am Fußballplatz kennengelernt. Vier- bis fünfmal pro Woche stehen sie dort, ihre Söhne spielen im leistungsorientierten Breitensport. Training, Spiele und Turniere bestimmen einen erheblichen Teil des Familienalltags. Dazu kommen Gespräche mit anderen Eltern, die oft um dieselben Fragen kreisen: Ist mein Kind gut genug? Sollte es den Verein wechseln? Wann wäre der nächste Schritt richtig?

Sascha beschreibt einen Moment, in dem sich die Atmosphäre veränderte. Scouts wurden zum Thema, erste Anfragen kamen. Aus einer Gemeinschaft, die zusammen zu Spielen fuhr, wurde ein Umfeld, in dem genauer verglichen wurde. Wer wird beobachtet? Warum der andere? Warum nicht mein Sohn?

Für Sascha bekam der Fußball damit eine neue Schärfe. Die Aussicht auf einen möglichen nächsten Schritt veränderte den Blick auf das, was gerade auf dem Platz passierte. Ihm wurde klar, dass er darüber sprechen wollte.

Jo erinnert sich an einen anderen Konflikt. Als er mit seinem Sohn zur Mannschaft kam, traf er auf ein erfolgreiches Team und ein neues Trainerteam, das stärker auf Entwicklung setzte. Alle Kinder sollten Spielzeit bekommen und sich ausprobieren können. Wenn die Ergebnisse ausblieben, kamen am Rand die Fragen: Warum spielt der jetzt? Warum wird dieser Spieler ausgewechselt?

Jo, der selbst als Elterntrainer gearbeitet hat, versuchte zu erklären und zu beruhigen. Was für die Trainer zur Ausbildung gehörte, wurde von manchen Eltern am nächsten Ergebnis gemessen. Aus solchen Gesprächen entstand schließlich die Idee für „Schrittmacher“.

Die Heimfahrt gehört dem Kind

Dabei erzählen die beiden ausdrücklich auch von ihrem eigenen Lernprozess. Jo berichtet von einem Gespräch im Auto, bei dem er kürzlich das falsche Thema angesprochen hatte. Hinterher rief er Sascha an. Er hatte gemerkt, dass seine Worte beim Sohn anders angekommen waren als beabsichtigt.

Beide kennen den Impuls, helfen und erklären zu wollen. Ebenso kennen sie die Gefahr, damit zusätzlichen Druck aufzubauen. Besonders dann, wenn Eltern vom Rand etwas anderes verlangen als das Trainerteam. Das Kind soll eine Anweisung auf dem Platz umsetzen und zugleich die Erwartungen von Mutter oder Vater erfüllen.

Saschas Konsequenz für die Heimfahrt ist deshalb, die Bewertung aus dem Gespräch zu nehmen. Er wartet darauf, ob sein Sohn selbst etwas ansprechen möchte. Jo teilt diesen Ansatz. Eine fehlerfreie Elternrolle beansprucht keiner von beiden. Sie wollen Fehler erkennen und gegenüber ihren Kindern auch eingestehen können.

Fußball braucht Zeit. Die Familie auch

Zum Druck gehört außerdem der Aufwand außerhalb des Platzes. Jo ist selbstständig und kann seine Arbeit so organisieren, dass die Fahrten zum Training möglich sind. Eine halbe Stunde dauert der Weg zum Verein. Vorher müssen Schulsachen, Essen und Termine zusammenpassen. Er bezeichnet diese Flexibilität selbst als Privileg.

Sascha spricht darüber, dass Geschwister und ihre Interessen in dieser Planung zu kurz kommen können. Wenn ein Kind ambitioniert Fußball spielt, bindet das Zeit und Kraft der ganzen Familie. Die Begeisterung des Kindes allein löst diese Konflikte nicht.

Genau solche Erfahrungen wollen die beiden mit ihrem geplanten Podcast aufgreifen. Trainer, Verantwortliche aus Nachwuchsleistungszentren, ehemalige Spieler und Menschen aus der Psychologie kommen für sie als Gesprächspartner infrage. Im Mittelpunkt sollen die Fragen stehen, die Eltern beschäftigen. Auch der Weg zurück aus einem Nachwuchsleistungszentrum in den Breitensport gehört dazu.

Jo und Sascha stellen sich dabei als Väter vor, die selbst dazulernen. Wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist, können sie nicht pauschal beantworten. Sie wollen Erfahrungen sammeln, nachfragen und Eltern helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren. Für Sascha beginnt das inzwischen nach dem Abpfiff: Radio an, gemeinsam nach Hause fahren. Die Spielanalyse kann warten.