Wenn am 26. April 2026 zehntausende Laufschuhe auf den Hamburger Asphalt treffen, feiert die Hansestadt ein ganz besonderes Jubiläum: 40 Jahre Haspa Marathon. Vier Jahrzehnte voller Schweiß, Gänsehaut und Kuriositäten haben dieses Event zu dem gemacht, was es heute ist – weit mehr als nur ein sportlicher Wettkampf. Von vierbeinigen Rekordhaltern bis hin zur perfekten Kurve: Wir werfen einen Blick auf vier Geschichten, die den Marathon-Spirit Hamburgs definieren.

Das „Anglasen“: Wenn Tradition die Pistole ersetzt

In Hamburg fällt kein klassischer Startschuss – hier wird „angeglast“. Dieses maritime Ritual hat einen pragmatischen Ursprung: Als der Startbereich 2008 auf die Reeperbahn verlegt wurde, machte das dortige Waffenverbot den Einsatz von Startpistolen unmöglich.

Die Lösung war typisch Hamburgisch: Eine massive Schiffsglocke ersetzt seither den Knall. Wenn Persönlichkeiten wie Sportsenator Andy Grote oder Haspa-Vorstand Jürgen Marquardt die Glocke läuten, schwingt ein Stück Hamburger Seele mit. Ein unverwechselbarer Moment, der den Lauf offiziell einläutet.

Kilometer 39: Das emotionale Kraftwerk am Harvestehuder Weg

Es ist der Punkt, an dem der Kopf „Stopp“ sagt, aber das Herz weitermachen will. Bei Kilometer 39, direkt am Alsterpark, wartet das rettende Ufer: der Haspa Cheering Point.

  • Der Vibe: DJ-Beats, die den Puls wieder nach oben treiben.
  • Der Support: Hunderte Fans und das Haspa-Team, die jeden Läufer wie einen Sieger feiern.
  • Die Belohnung: Während Zuschauer am Coffee Bike auftanken, saugen die Athleten die Energie für die finalen 3.000 Meter auf.

Dieser Streckenabschnitt ist das emotionale Epizentrum, das schon so manchen vor dem „Mann mit dem Hammer“ bewahrt hat.

Wolfgang „Wolle“ Timm: Der Herr der blauen Linie

Sie ist der „rote Faden“ für alle Läufer, auch wenn sie blau ist: Die Ideallinie auf dem Asphalt markiert den kürzesten Weg zum Ziel – exakt 42,195 Kilometer. Hinter dieser Präzision steckt Wolfgang „Wolle“ Timm.

Seit Jahrzehnten vermisst er die Strecke mit Millimeterarbeit. Ohne seine akribische Vorbereitung gäbe es keine Orientierung im Großstadtdschungel. Für die Läufer ist seine Linie das Versprechen, dass jeder Schritt zählt und kein Meter zu viel gelaufen wird. „Wolle“ ist der stille Architekt des Erfolgs, der dafür sorgt, dass die Rekorde in Hamburg auch morgen noch Bestand haben.

Toni, der Marathon-Dackel: Ein Ausnahmetalent auf vier Pfoten

Die wohl charmanteste Legende der Anfangsjahre trug kurzes Fell und Schlappohren. Von 1987 bis 1989 war Toni, ein Dackel-Mischling, der heimliche Star an der Startlinie. Mit eigener Startnummer und einer unglaublichen Bestzeit von 3:36 Stunden bewies er, dass Ausdauer keine Frage der Beinlänge ist. Tonis Karriere endete jedoch so kurios, wie sie begann: Nachdem sein Team in der offiziellen Wertung vor menschlichen Konkurrenten landete, hagelte es Proteste. Das Ergebnis? Ein offizielles Tier-Verbot beim Marathon. Toni blieb dennoch unvergessen – als der schnellste Dackel, den die Elbe je sah.